Ausmisten klingt simpel. Bis du vor einer Schublade stehst, die voll ist mit „Vielleicht-brauch-ich-das-noch“-Zeug. Oder vor Dingen, die mal teuer waren. Oder geschenkt. Oder irgendwie an früher erinnern.
Bei mir war der Endgegner ein kompletter Keller: 20 m² und Kisten aus meinem alten Kinderzimmer. Ich habe jahrelang so getan, als wären die nicht da. Bis ich mit meinem Partner zusammengezogen bin und plötzlich entscheiden musste, was bleibt und was geht.
Wenn du auch gerade zwischen Motivation und „ich kann das nicht wegwerfen“ festhängst: Du bist nicht allein. Hier kommen meine liebsten Methoden, die Ordnung schaffen, ohne dass du dich dabei komplett überforderst.
Warum Ausmisten im Alltag oft schwerfällt
Fast jeder kennt Marie Kondo* und diesen berühmten Satz: „Does it spark joy?“ Und ja, bei Kleidung funktioniert das sogar erstaunlich gut. Da merke ich schnell, welche Teile eigentlich nur noch Platz wegnehmen oder schlechte Laune verbreiten.
Aber bei praktischen Dingen? Puh. Ein Kochlöffel macht mir selten „Freude“. Ein Topf auch nicht. Und eine Kellerkiste schon gar nicht. Genau da fängt dieses endlose „Vielleicht brauch ich das noch“ an und plötzlich stecke ich fest.
Und als wäre das nicht genug, ist Ausmisten eben nicht nur praktisch, sondern auch emotional. An manchen Dingen hängt einfach viel mehr, als man auf den ersten Blick denkt.
Genau an diesem Punkt habe ich gemerkt, dass ich beim Aussortieren weniger perfekte Anleitungen brauche, sondern eher Hilfe dabei, überhaupt anzufangen, ohne dass alles im Chaos endet.
Mir hat dabei eine einfache Struktur geholfen: das Vier-Kisten-Prinzip.
Ausmisten wie ein Profi: Das Vier-Kisten-Prinzip
Eine Strategie, die mir bis heute hilft, ist das Vier-Kisten-Prinzip. Diese Methode wird auch von Ordnungsprofis genutzt und funktioniert wie folgt.
Ich stelle mir dafür vier große Kisten oder Behälter bereit und beschrifte sie so:
- Weg → Müll oder Altcontainer (hier bin ich bewusst großzügig)
- Spenden oder verschenken → Wo erfährst du hier
- Verkaufen → Wo erfährst du hier
- Behalten → zurück an seinen Platz
Zusatz-Tipp: Beim Kleiderschrank ergänze ich manchmal noch eine VIELLEICHT-Kiste. Die kommt in den Keller. Alles, was nach der Saison noch darin liegt und das ich nicht vermisst habe, darf gehen.
5 Fragen, die mir beim Ausmisten helfen
Bei Kleidung ist die Frage „Macht es Freude“ für mich tatsächlich ein guter Anfang. Ich sehe dann ziemlich schnell, welche Teile ich nur noch aus Gewohnheit behalte oder aus schlechtem Gewissen.
Bei praktischen Dingen funktioniert das für mich nicht. Ein Kochlöffel muss mir keine Freude machen. Er soll seinen Job erfüllen. Und genau dafür brauche ich andere Fragen.
Diese hier helfen mir, schneller zu entscheiden:
- Wie viele habe ich davon? (Duplikate dürfen gehen.)
- Habe ich den Gegenstand überhaupt benutzt?
- Wie oft habe ich ihn benutzt?
- Würde ich mich daran erinnern, dass ich ihn besitze, wenn ich ihn brauche?
- Weiß ich eigentlich, wo er liegt?
Gerade die letzten beiden Fragen waren für mich ein Augenöffner und stammen aus einem Video von That Awkward Mom. Viele Dinge behalte ich nicht, weil ich sie brauche, sondern weil ich denke, dass ich sie irgendwann gebrauchen könnte.
Meine Erfahrung: Selten habe ich etwas wirklich vermisst.
Das solltest du beim Ausmisten auf keinen Fall tun
Am schwersten fällt mir das Aussortieren bei Dingen, mit denen Erinnerungen oder Emotionen verbunden sind. Trotzdem habe ich gelernt, dass es wenig Sinn macht, Dinge zu behalten, nur weil ich einmal viel Geld dafür bezahlt habe. Ein Fehlkauf bleibt ein Fehlkauf. Egal, wie lange ich ihn behalte.
Genauso geht es mir mit Geschenken. Natürlich steckt oft eine nette Geste dahinter. Aber wenn mir ein Gegenstand nicht gefällt oder ich ihn nie benutze, nimmt er trotzdem Platz ein. In meiner Wohnung. Und in meinem Kopf.
Ich trenne mich inzwischen auch von Dingen, die kaputt sind oder viel Platz beanspruchen, ohne wirklich genutzt zu werden. Früher habe ich mir eingeredet, dass man das „doch noch reparieren“ könnte. In der Realität ist das fast nie passiert.
Wenn es dir schwerfällt, loszulassen…
Einen richtig guten Tipp hat mir meine Schwester gegeben, wenn es um Dinge geht, mit denen schöne Erinnerungen verbunden sind, die sie aber aus Platzgründen nicht behalten möchte:
Mach ein Foto von dem Gegenstand und lass den Gegenstand selbst gehen.
Sie hat zum Beispiel ein Foto von ihrer Schultüte gemacht, ein kleines Stück davon ausgeschnitten und den Rest entsorgt. So kann sie sich jederzeit an ihren ersten Schultag erinnern, ohne den Keller mit Erinnerungsstücken vollzustellen.
Ich gebe zu: So konsequent war ich lange nicht. In meinem Keller warten meine Schultüte, alte Schulhefte und zwei Schulranzen bis heute darauf, entsorgt zu werden.
Der Unterschied zu früher ist aber ein anderer: Diese Kisten machen mir keine Angst mehr. Ich weiß, dass ich mich irgendwann davon trennen kann. Wenn ich bereit dazu bin. Richtiges Ausmisten braucht eben Zeit. Manchmal Jahre.
Eine Kiste für Erinnerungen, die bleiben dürfen
Ein Gedanke aus dem Buch The Gentle Art of Swedish Death Cleaning* hilft mir dabei sehr: Es ist völlig in Ordnung, eine Kiste mit Erinnerungsstücken zu haben, die nach meinem Tod ungesehen entsorgt werden darf.
Das heißt für mich: Ich muss mich nicht heute entscheiden, ob etwas „wichtig genug“ ist. Ich darf Erinnerungen behalten, ohne andere damit zu belasten.
Nach dem Ausmisten ist vor dem Neukaufen
Das habe ich erst lernen müssen. Denn es bringt wenig, sorgfältig auszusortieren, wenn ich danach genauso weitermache wie vorher.
Bevor etwas Neues bei mir einzieht, stelle ich mir deshalb ein paar einfache Fragen:
- Brauche ich das wirklich?
- Oder will ich es gerade einfach haben?
- Werde ich es benutzen – und wie oft?
- Besitze ich vielleicht schon etwas, das denselben Zweck erfüllt?
Ein Beispiel, das mir immer wieder einfällt: Bananen lassen sich wunderbar mit einem Messer schneiden. Dafür brauche ich keinen Bananenschneider. Und im Gegensatz zu einem Zwiebelhacker spare ich dabei kaum Zeit.
Weniger Dinge, mehr Zeit
Indem ich mein eigenes Kaufverhalten hinterfrage, spare ich nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Denn weniger Besitz bedeutet für mich vor allem eines: weniger Aufräumen. Und damit mehr Zeit für das, was mir wirklich wichtig ist.
Zeit mit meiner Familie.
Zeit mit Freunden.
Zeit für Dinge, die nichts mit Ordnung halten zu tun haben.
Dazu passt ein Zitat von einer meiner liebsten YouTuberinnen, sehr gut:
Less inventory to manage, more time for familiy and friends
The Mininal Mom
Und genau darum geht es mir beim Aussortieren. Nicht um leere Schränke, sondern um mehr Raum für das Leben dazwischen.
Damit es ordentlich bleibt
Ausmisten ist für mich nur der Anfang. Damit Ordnung im Alltag bleibt, nutze ich einen einfachen Wochenputzplan. Du kannst ihn dir hier herunterladen.

Fazit: Dranbleiben wird belohnt
Das waren meine besten Tipps rund ums Ausmisten und Loslassen. Manches geht schnell. Anderes braucht Zeit.
Für mich geht es beim Aussortieren nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern darum, Platz zu schaffen. In meinem Zuhause. In meinem Kopf.
Und wenn die aussortierten Dinge am Ende trotzdem noch in Kisten stehen, habe ich hier gesammelt, welche Wege für mich funktioniert haben, um sie wirklich loszuwerden: 8 Wege, um Aussortiertes loszuwerden.
Und falls du noch einen kleinen Motivationsschub brauchst: Bei mir läuft dabei oft Silbermond im Hintergrund 🎶
Mich würde interessieren: Was fällt dir beim Ausmisten am schwersten? Schreib mir gern in die Kommentare.
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